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verflixt und zugenäht …

ich weiß, ich soll nicht fluchen …. aber gestern ließ sich das einfach nicht unterdrücken … ich hatte mir vorgenommen, einen Muff zu nähen … eigentlich keine große Sache: zwei Rechtecke jeweils zu einer Röhre zusammen nähen, ineinander stecken, Ränder schließen – fertig. Ich hatte mir jedoch in den Kopf gesetzt, dass mein Muff etwas Besonderes mit praktischen Details werden sollte. Das erforderte einiges an Kopfarbeit und bei der Umsetzung kam es vor, dass die Teile links-auf-rechts statt rechts-auf-rechts (oder wie auch immer) zusammen genäht wurden … das hieß: wieder auftrennen (was bei schwarzem Fell nicht ganz so einfach ist). Schließlich wurde das Teil dann doch noch fertig, aber fragt mich bitte nicht nach der Reihenfolge der Arbeitsschritte … ich kriege sie nicht mehr zusammen …

das Äußere der Tasche habe ich aus schwarzem Webpelz genäht, das Innere aus schwarzem Teddyfleece

in die Naht ist eine gefütterte Reißverschlusstasche eingearbeitet

und im Inneren habe ich die abgeschnittenen Ärmelbündchen von einem alten Angorapullover eingenäht, damit das Ganze an den Handgelenken gut abschließt und wärmt. Vor allem dieser Teil der Arbeit hat mich Nerven gekostet … aber nun ist alles gut …

alle Blätter abgeworfen …

… hat nun mein Walnussbaum … und ich habe sie alle fleißig aufgesammelt … die Nachbarn mögen sich gewundert haben, warum ich jeden Tag mit einem kleinen Korb in den Garten gegangen bin, um Blätter einzeln aufzusammeln – alle anderen harken sie schließlich zu großen Haufen zusammen …

Weil mir die Farbe so gut gefiel, habe ich das Verfahren nach dem alten Färberezept  noch einmal durchgeführt, dieses Mal mit 100g Sockenwolle (75/25), 100g Merino (90%) mit Baumwoll- und Seacell-Anteil und einem kleinen Probestrang von einem aufgeribbelten, ehemals gelben Uraltpullover.

Nach dem ersten Durchgang (li: Merinomischung, re: Sockenwolle ) ist die Farbe noch ganz blass:

nach dem zweiten Durchgang schon kräftiger:

und nach dem dritten Durchgang und dem Trocknen sieht das Egebnis so aus:

Dieses Mal ist die Farbe nicht so dunkel geworden wie beim ersten Versuch. Ich nehme an, dass es daran liegt, dass der richtige Zeitpunkt zum Sammeln der Blätter bereits vergangen war und ich beim zweiten Mal auch Blätter verwendet habe, die schon getrocknet waren.

Der kleine Strang vom aufgeribbelten Pullover hat sich übrigens in der Brennprobe als irgendeine Faser(mischung) mit hohem Poly-Anteil erwiesen … deshalb auch so ein blasses Färbeergebnis.

weder Pilze noch Beeren …

… waren beteiligt an der Färbung der Wolle aus diesem Artikel , sondern Waidblätter, die bei meiner Rodungsaktion übrig blieben und schon fast auf dem Komposthaufen landeten, weil sie schmutzig und angefressen waren …

ich habe mich dann doch noch umentschlossen, die Blätter gewaschen, klein geschnitten und in Wasser sprudelnd ausgekocht. Auf alaungebeizter Wolle ergaben sich diese erstaunlichen Farbtöne:

Die beiden kleinen Knäule sind Sockenwolle mit superwash Ausrüstung, der Strang rechts ist 100% Merino und der untere Strang eine Merinomischung mit Baumwolle und SeaCell. Interessant zu sehen, wie der Baumwoll- oder der Seacell-Anteil die Farbe nicht angenommen hat:

ein Färberezept von 1862

Bei ravelry bin ich auf folgenden Link gestoßen: Newspaper Articles about Southern Dyes, 1860-1865.
Es handelt sich um eine Sammlung von Artikeln zum Thema Handfärben (erschienen in Zeitungen der Südstaaten Amerikas des 19.Jahrhunderts) , die von Vicki Betts von der University of Texas at Tyler zusammen gestellt wurde.
Ich denke, dass ich kein Copyright verletze, wenn ich den betreffenden Artikel von 1862 hier zitiere:


SAVANNAH [GA]REPUBLICAN, November 3, 1862, p.1, c. 4

To Dye Wool Yarn a Durable Black Without Copperas.—Place in your kettle a layer of Walnut leaves, then a layer of yarn, then a layer of leaves and another of yarn, and so on till the kettle is full, pour on water till all is covered, and boil all day. The next morning pour off the liquor into another vessel, and put fresh leaves with the yarn in layers as before and pour the same liquor over it and boil again all day. Then hang the yarn in the air a few days after which wash it, and it will be a fine black.
The Walnut leaves should be gathered in the autumn, just as they begin to fall from the trees.

Der Artikel passte zeitlich ausgesprochen gut, denn die Blätter meines Walnussbaumes sind gerade dabei, abzufallen.

Ich habe also nach Anweisung eine Lage Walnussblätter, einen Strang Wolle (100% Merino, ungebeizt) und eine weitere Lage Walnussblätter in meinen Färbetopf geschichtet, mit Wasser aufgefüllt und zum Kochen gebracht. Allerdings  – und hier bin ich vom Rezept abgewichen – habe ich die Kochzeit nach ca. einer halben Stunde beendet, anstatt (wie angegeben) den ganzen Tag  (!) zu kochen. Den Topf habe ich bis zum nächsten Tag stehen lassen, dann die Flüssigkeit abgefiltert, erneut mit neuen Blättern die Schichten aufgebaut, mit der Flüssigkeit aufgefüllt, zum Kochen gebracht usw. Die gesamte Prozedur habe ich insgesamt dreimal durchgeführt, von Mal zu Mal wurde die Flüssigkeit dunkler, die Wolle natürlich auch.

Das Ergebnis ist zwar kein Schwarz – aber damit hatte ich auch nicht ernsthaft gerechnet. Ich gehe davon aus, dass für das obige Färberezept im 19. Jahrhundert ein eiserner Topf benutzt wurde, der das Ergebnis beeinflusst hat, während ich einen Edelstahltopf benutzt habe..

Mein Ergebnis ist ein richtig sattes Dunkelbrau, das auf den Bildern leider nicht richtig wiedergegeben wird:

wie dunkel es tatsächlich ist, kommt noch am besten heraus im Vergleich mit meinen Färbungen mit frischen Walnussblättern:

Mir gefällt dieses warme satte Braun sehr gut, in dieser Intensität habe ich es auf anderem Wege noch nicht erhalten.

Zufall oder Zauberei?

nein, ich verrate noch nichts … bevor ich in die Details gehe, würde ich gerne von euch wissen: was meint ihr, mit welcher Pflanze ich diese Farben erzielt habe?

es sind 2 kleine Stränge Sockenwolle, mit Alaun vorgebeizt, jeweils einzeln nacheinander im Farbsud gefärbt … die Blätter im Hintergrund haben nichts mit der Färbung zu tun …

Waid – einmal anders

es musste etwas geschehen, um meinen Waid an der Übernahme der Alleinherrschaft über meinen Färbergarten zu hindern … also habe ich heute rigoros die Hälfte der diesjährigen Pflanzen, die im nächsten Jahr Samen ohne Ende produzieren, einfach heraus gerissen und damit Platz für die neue Waidaussaat im nächsten Frühjahr geschaffen. Wer mich kennt, weiß: nichts landet ungetestet auf dem Kompost …

vor einigen Tagen hatte ich schon ein paar mit Alaun vorgebeizte Probestränge mit  dem Sud von ausgekochten Waidwurzeln gefärbt und war erstens ganz überrascht und zweitens sehr angetan von dem Ergebnis:

Die heutige Ausbeute werde ich, da mir im Moment die Zeit zur Verabeitung fehlt, erst einmal trocknen zur späteren Verwendung.

den Färbeversuch mit Apfelbaumblättern hatte ich kurz vor Antritt einer Reise durchgeführt, es war keine Zeit mehr, alles wegzuräumen und so blieben die gefärbten Probestränge auf meinem Schreibtisch vor dem Fenster zur Südseite liegen. Ihr ahnt sicher, was jetzt kommt: der Lichtechtheitstest für Apfelblätterfärbungen hat sich quasi selbst durchgeführt … die Stränge lagen so auf dem Tisch, dass die eine Hälfte an der Tischkante herunterhing – vom Licht abgewandt – und die andere Hälfte auf der Tischplatte der Sonne ausgesetzt war.

Ich habe die Stränge für das Foto so plaziert, dass links die Ausgangsfarbe, rechts der ausgebleichte Farbton liegt. Dabei zeigt sich, dass die einzelnen Töne unterschiedlich stark verblasst sind … am stärksten hat es den Lachston ganz links (auf ungebeizter Wolle) erwischt, am wenigsten den mit Eisenessig modifizierten Farbton in der Mitte …

unten: Originalton
oben: der Sonne ausgesetzter Teil

es ist angerichtet …

das sieht doch richtig lecker aus, oder? … für meinen jüngsten Färbeversuch mussten dieses Mal ganz normale Blätter von meinem Apfelbaum als Versuchsobjekt herhalten… frisch gepflückt, zerkleinert und ausgekocht ergaben sich auf Sockenwolle wunderbare Farbtöne …

was mich am meisten überrascht hat – neben der Intensität der Farben – ist der lachsfarbene Ton der ungebeizten Wolle rechts neben dem Apfel … alle anderen Farben entstanden auf Alaun Kaltbeize: rechts neben der ungebeizten Probe ein Strang ohne Weiterbehandlung … im Uhrzeigersinn weiter: Entwicklung in Kupferessigwasser, in Pottasche … und in der Mitte mit Eisenessigwasser …

solche Ergebnisse motivieren natürlich ungemein … nun warten noch Blätter vom Kirschbaum, vom Pflaumen-, vom Birnen-  und vom Quittenbaum auf mich …

dem Geheimnis auf der Spur?

… nachdem ich im letzten Herbst mit dem Samtfußkrempling (Paxillus atrotomentosus)
das eine Mal violett, das andere Mal oliv erhalten hatte, brachte der dritte Färbeversuch  wieder ein anderes Ergebnis:

gefärbt habe ich 100% Merino, vorgebeizt mit Alaun … rechts der erste Zug, links der 2.Zug, jeweils erhitzt bis kurz vor dem Kochen und eine Weile simmern lassen.
Ich hatte mir zwar vorgenommen, zu den wenigen zu gehören, die keinen Baktus stricken … wenn ich mir jedoch die Farbkombination ansehe, könnte ich mir vorstellen, dass ich meinen Entschluss vielleicht doch noch einmal überdenke ;o) …

Zurück zu den Geheimnissen des Samtfußkremplings… neulich las ich irgendwo im Internet „das Fleisch des Samtfusskremplings färbt violett“… das Fleisch? … sollte es einen Unterschied machen, wenn man nur Teile verwendet anstelle des ganzen Pilzes? … ich machte mich ans Werk und begann, meine Samtfußkremplinge in Einzelteile zu zerlegen: Lamellen, Fleisch und Samtfuß … bei den frischen Exemplaren lassen sich Fleisch und Lamellen gut voneinander lösen, bei den schon etwas angetrockneten Exemplaren wird das schon schwieriger und so ist mir eine 100%ige Trennung nicht  immer gelungen. Kleingeschnitten habe ich das Material dann getrennt in 3 Gläsern mit heißem Wasser übergossen. Nach ca. 5 Minuten sah das Ergebnis so aus:

links die „Füße“, in der Mitte das Fleisch und rechts die Lamellen. Auf dem Bild ist es schwer zu erkennen: der Farbauszug der Lamellen ist am dunkelsten …
Da ich nur eine Kochplatte in meiner Färbeküche habe und mir das Erhitzen von 3 Töpfen nacheinander zu lange gedauert hätte, habe ich kurzerhand in jedes Glas in die noch sehr warmen Farbbrühen mit den Pilzresten je einen Probestrang alaungebeizter Sockenwolle gesteckt. Nach ca. einer halben Stunde hatte ich dieses Ergebnis:

das sind eindeutig Violett-Töne …. links die Farbe aus den Lamellen, dann folgt die aus den „Füßen“ und schließlich die aus dem Fleisch. Zwar sind die Stränge unterschiedlich in der Farbintensität – was daran liegen kann, dass die Mengen vom Gewicht her nicht gleich waren – aber es sind alles Violett-Töne und ich denke, dass eine Trennung nicht notwendig ist, um violett zu erhalten … vielmehr sieht es so aus, als spiele die Temperatur eine Rolle … möglicherweise darf man den Pilz nicht auskochen, wenn man violett erhalten will.

fette Beute …

… habe ich heute von meinem Streifzug durch den Wald mitgebracht …

6 große Exemplare des Kiefernbraunporlings (Phaeolus Schweinitzii) in einem jungen Stadium konnte ich nach Hause tragen …  zwei von ihnen fand ich – wie erwartet – an derselben Stelle wie im letzten Jahr, die anderen waren Zufallsfunde.
Ich hatte ja bereits im letzten Jahr mit einem einzigen schon älteren Exemplar 500g Wolle färben können … werde also mit meinem heutigen Fund sicher eine ganze Weile auskommen …

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