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geschafft ….

vor einigen Monaten hatte ich mein Häkeldeckenprojekt vorgestellt … jetzt ist es fertig. Etwa ein Jahr habe ich daran gearbeitet: Wolle versponnen und verzwirnt, mit Pflanzen gefärbt, zu Sechsecken verhäkelt, miteinander verbunden und gefühlte 86000 Fäden vernäht (das letztere wünscht man seinem ärgsten Feind nicht …)

Nun das Problem: wie fotografiert man eine 2,10 x 1,80m große Decke in einer Zeit, in der es draußen kalt und matschig ist? Es bleibt nur, drinnen zu fotografieren, und da finde ich es ziemlich schwierig, von einem solchen Objekt einigermaßen spannende Fotos hinzubekommen. Deshalb an dieser Stelle nur ein Gesamtbild. Ich musste auf eine Treppe steigen, um die Decke komplett aufs Bild zu bekommen:

Sie ist noch nicht gewaschen.- möglicherweise wird sie dabei noch größer. Aber auch das werde ich – ebenso wie das Fotografieren – auf den Sommer verschieben.

es begann mit einem Sperrmüllfund:

… ein Lampenschirm, der weitaus bessere Tage gesehen hatte und umgehend “entkleidet” werden musste:

hinzu kam eine riesengroße Menge von mir gesammelter Obsttüten aus den täglichen Einkäufen (ja, ich habe jahrelang gesammelt, ohne zu wissen, was ich damit machen wollte – jetzt war der Moment gekommen … )

diese Tüten habe ich zurecht geschnitten, fein säuberlich in mehreren Lagen gefaltet und diese dann mit Hilfe meines Bügeleisens zu einem stabilen Material miteinander verschmolzen. Wie das geht wird z.B. in diesem Video gezeigt.

Mein Spaghettimaß als Schablone benutzend habe ich Kreise aufgezeichnet, die ich anschließend mit der Nagelschere ausgeschnitten habe. Ja, ich weiß, ich muss verrückt sein: es waren tatsächlich 2300 Stück, die ich dann mit Hilfe meiner Nähmaschine zu Streifen in drei unterschiedlichen Längen aneinander genäht habe.

Mit Büroklammern wurden die Streifen in drei Stufen am Lampengestell befestigt. Das Ganze hängt jetzt an Metallketten von der Decke in der Altbauwohnung meiner Tochter

und wirft magische Schatten an die Wand:

in diesem Sommer bin ich bei der Suche nach möglichst vielen Informationen zum Färben mit Indigo an verschiedenen Stellen auf die sogenannte “Saxon Vat” – also die Sächsische Küpe – gestoßen. Dieser Begriff bezeichnet zwei gänzlich verschiedene Verfahren: bei der ersten Methode wird mit Hilfe von konzentrierter Schwefelsäure und Indigopulver eine Paste hergestellt – das war mir viel zuviel Chemie … mich interessierte mehr die andere, ursprüngliche Methode, die von J.N.Liles in The Art and Craft of Natural Dyeing: Traditional Recipes Modern Use beschrieben wird:

ein sehr schmutziges Woll- Vlies wird mit warmem Wasser übergossen und 24 Stunden stehen gelassen … anschließend wird das Vlies heraus genommen und Indigopulver in einem Mullsäckchen wird in das schmutzige Wasser eingehängt, die gespülte Wolle kommt hinein, das Gefäß wird abgedeckt und in die Sonne gestellt … das Ganze beginnt nach einigen Tagen zu fermentieren … die magische Verwandlung setzt ein.

Also eine Fermentationsküpe … noch dazu eine einfach herzustellende …

Ob das, was mit Indigopulver geht, auch mit frischen Blättern vom Japanischen Indigo funktioniert …???

Nun … Versuch macht klu(ch)g … zunächst einmal ein Versuch in kleinem Rahmen in einem 2l- Glas:

Schmutzige Wolle, warmes Wasser und frische Blätter … alles zusammen im Glas so lange stehen gelassen, bis die Blätter fermentiert waren. Es riecht … deshalb also: nichts für empfindliche Nasen ….

Ergebnis: ein schönes Türkis

Schlauer wäre es natürlich gewesen, entweder die Blätter oder die Wolle in ein Netz zu stecken … so musste ich halt die Pflanzenreste heraussammeln …

Im nächsten Schritt das Ganze noch einmal in abgeänderter Form:

  • zunächst Herstellen der Schmutzbrühe
  • Wolle herausnehmen
  • Zufügen der Blätter
  • Warmstellen
  • nach Abschluss der Fermentation absieben der Pflanzenreste
  • dann erst Hinzufügen der Fasern
  • Färben in mehreren Zügen mit zwischenzeitlichem Verblauen (wie auch sonst beim Färben mit Indigo oder Waid)

Die Ergebnisse (dieses Mal ohne Pflanzenreste):

die ungesponnene Wolle ist vom Deichschaf, der gesponnene Strang Coburger Fuchs, der helle Strang darüber eine Baumwoll-/Leinenmischung … und am oberen Rand 2 Seidenhankies.

die Kurzversion der Geschichte geht so:
aus einem Eimer voll frischer Waidblätter wurden mit viel Geduld und Zeit 2 Teelöffel voll Waidindigopulver:
die etwas ausführlichere Version beginnt so wie in meiner Anleitung zum Färben mit frischen Waidblättern beschrieben:
frische Waidblätter  klein schneiden und mit heißem Wasser übergiessen:

warten, bis sich das Wasser dunkel verfärbt.

Die Blätter habe ich abgesiebt, die Flüssigkeit wieder auf 50°C erhitzt und 2 Teelöffel Waschsoda hinzugefügt. Dadurch färbte sich die Flüssigkeit dunkelgrün. Mit einem alten Mixer habe ich möglichst viel Luft untergeschlagen, so dass sich Schaum bildete, der sich blau verfärbte.

Diese Brühe habe ich auf mehrere Glasgefäße verteilt, die ich über Nacht ruhen ließ. Am nächsten Tag hatte sich am Grund der Gläser ein Bodensatz gebildet. Mit einer Schöpfkelle habe ich vorsichtig die darüber stehende Flüssigkeit abgeschöpft und wieder mit klarem Wasser aufgegossen und gewartet, bis sich wieder ein Bodensatz gebildet hatte.

Diesen Vorgang habe ich noch einige Male wiederholt, bis schließlich nur noch blauer Schlick übrig blieb. Diesen habe ich in ein Glasschälchen gefüllt und in die Sonne zum Trocknen gestellt.

… dann doch wenigstens ein strahlend blaues Tuch – gehäkelt aus Merino- Lacegarn, das ich mit Indigo gefärbt habe (weitere Farben sind hier erhältlich: die farben der natur - dort finden sich auch weitere Einzelheiten zum Garn)

Bild

Maße: längste Seite: 155cm, Höhe: 65cm
Nadelstärke. 3,5
Verbrauch: 90g
Muster (kostenpflichtig): Forest Reflections Shawl
ich habe dem Muster noch einen Rüschenrand hinzugefügt, weil mir das Tuch ohne einen Abschluss nicht gefiel:
Bild


eigentlich habe ich immer – sozusagen “im Hintergrund” – ein Projekt in Arbeit, das schon ‘mal bis zu einem Jahr zu seiner Fertigstellung braucht. Zur Zeit handelt sich um eine Tagesdecke für ein Gästebett der Größe 1,40x2m.

Die Decke wird aus Sechsecken gehäkelt, die aneinander gefügt werden. Die Wolle dafür spinne ich selbst und färbe sie mit Pflanzen … und zwar immer in Schüben: immer, wenn ich wieder eine Spule voll gesponnen und verzwirnt habe, häkele ich die nächsten Sechsecke, die dann fortlaufend miteinander verbunden werden.

Ich habe mir in den Kopf gesetzt, möglichst viele verschieden Farben in dieser Decke unterzubringen. Es liegt kein bestimmtes Farbschema zugrunde; welche Farbe als nächstes zum Einsatz kommt, entscheide ich während der Arbeit.

Mein Entwurf für die Decke sieht folgendermaßen aus:

die im Entwurf verwendeten Farben spielen keine Rolle, sondern nur die Verteilung der Sechsecke. Das Ganze diente mir dazu, zu berechnen, wie viele Einzelteile ich benötigen würde.

Der augenblickliche Stand der Dinge: von 518 nötigen Hexagons habe ich bisher ca. 220 geschafft … es liegt also noch einiges vor mir …

Das Schlimmste kommt dann allerdings zum Schluss: das Vernähen der Fäden … pro Sechseck 4 Stück, bei den dunkelbraunen sind es nur 2.

ich muss immer wieder feststellen: die Organisation des Projektes “The Föhr Reef” war und ist hervorragend. Heute bekam ich per e-mail die Mitteilung, dass ein Video und eine Fotodokumentation online zu sehen sind. Das Video ist hier zu finden:

The Föhr Reef

die Dokumentation besteht aus mehreren pdf-Dateinen:

Teil 1
Teil 2
Teil 3

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