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Krapp – mal anders

Meine Krapppflanzen scheinen sich an ihrem Standort in einem meiner Hochbeete sehr wohl zu fühlen … so wohl, dass sie jetzt das für sie vorgesehene Areal zu sprengen drohten und unten aus dem Beet heraus wuchsen.

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Diese Triebe, die beim nächsten Rasenmähen sowieso hätten dran glauben müssen, habe ich abgeschnitten. Treue Leser wissen: bevor bei mir etwas auf dem Kompost landet, wird es auf Färbetauglichkeit getestet. Ich habe also das grüne Kraut kleingeschnitten,  ausgekocht und am nächsten Tag einen vorgebeizten Strang Sockenwolle im Sud gefärbt. Herausgekommen ist ein schönes, sanftes Hellgrün.

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Krapp kann also nicht „nur“ Rot ….

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Wie – um diese Jahreszeit? werden sich jetzt einige fragen. Des Rätsels Lösung: ich hatte im Herbst so viele grüne Walnussschalen,dass ich nicht mehr wusste, wohin damit. Ich habe die Schalen einfach mit Wasser übergossen und in einem Plastikeimer mit Deckel den Winter über bei Wind und Wetter draußen stehen lassen. Vor ein paar Tagen habe ich die Flüssigkeit abgefiltert und damit einen an mehreren Stellen abgebundenen Strang Sockenwolle (ungebeizt) heiß gefärbt.

oder: es ist vollbracht!

Gefühlte 6 Monate hat es gedauert, bis ich 500g Flachs versponnen hatte… nun sitze ich auch nicht jeden Tag am Spinnrad, sondern nur dann, wenn mir danach ist. Aber nun ist es fertig. Frisch gehaspelt fühlt es sich steif an wie Bindfaden und man kann sich schwer vorstellen, dass man aus diesem Garn jemals etwas am Körper Tragbares anfertigen kann.

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500g handgesponnenes Leinengarn

Um alles, was an Ölen im Garn vorhanden war, zu entfernen, habe ich die Stränge unter Zusatz von Waschsoda ausgekocht. Nach dem ersten Durchgang sah die Brühe so aus:

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Leinengarn nach dem ersten Auskochen

Es folgten zwei weitere Kochvorgänge. Danach war das Auskochwasser nur noch hellbraun.

Eigentlich hätte ich jetzt das Garn trocknen und verarbeiten können, aber ich wollte Farbe. Also folgte als nächster Schritt das Beizen mit Alaun und Tannin. Nach dem Trocknen habe ich die Stränge zehn Tage gelagert.

Weil die Schilfblüten gerade den richtigen Reifezustand hatten, habe ich bei brüllender Hitze einen Eimer voll gepflückt, über Nacht eingeweicht, am nächsten Tag ausgekocht, über Nacht auskühlen lassen und dann die Schilfblüten entfernt.

Das wieder eingeweichte gebeizte Garn habe ich ca. 1 Stunde im Farbsud geköchelt, über Nacht im Topf ziehen lassen, getrocknet und anschließend noch einen weiteren Färbedurchgang mit erneuter Trocknung gemacht.

Der letzte Schritt: das gefärbte Garn wurde noch einmal unter Zugabe von Alaun aufgekocht, um überschüssigen Farbstoff zu entfernen. Und hier liegt es nun in seiner ganzen Schönheit: mein grünes Leinengarn:

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mit Schilfblüten gefärbtes Leinengarn

Da sich die Farbe sehr schwer wiedergeben lässt, kommt hier noch ein Vergleichsfoto: das gefärbte Garn auf einem Kleidungsstück aus ungefärbtem Leinengarn.

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gefärbtes Garn auf ungefärbtem Leinen

Ich gebe zu: Wolle färben geht schneller … aber darum geht es ja nicht.Pflanzenfasern erfordern nun ‚mal ein anderes Vorgehen als Tierfasern, wenn man haltbare Ergebnisse erzielen will.

Kleine Spinnerei

Ihr kennt das ja schon von mir: etwas wegwerfen, das man noch für irgendein Projekt verwenden könnte? … nur äußerst  ungern. Und so hatte ich noch von diesem Schal viele kurze pflanzengefärbte Reste übrig:

SAMSUNG CAMERA PICTURES Zur Verwendung dieser Reste spukte mir schon länger eine Idee im Kopf herum.

Heute nun habe ich mir mein einfädiges Konengarn vorgenommen und es zunächst 4fädig verzwirnt.

Dieses Garn wiederum habe ich dann in umgekehrter Richtung mit sich selbst verzwirnt. Während des Verzwirnens habe ich immer ein buntes Reststückchen mitlaufen lassen. Um den Drall wieder heraus zu nehmen habe ich dann dieses Garn erneut in umgekehrter Richtung mit sich selbst verzwirnt.

Verstrickt mit 5er-Nadeln sieht das Ganze so aus:

Zugegeben, die Angelegenheit ist ziemlich aufwändig, aber wie gesagt: nur eine kleine Spinnerei ;o)

Und: JA, die vorstehenden Garnenden sind beabsichtigt.

ich übe …

irgendwann wird nur „geradeaus“ spinnen langweilig … deswegen ist dieses Buch bei mir eingezogen:

und jetzt bin ich fleißig am Üben ;o)

artyarn

Melde und Knöterich

Beim Sammeln von Schilfblüten bin ich auf zwei Pflanzen gestoßen, die ich noch nicht auf Färbetauglichkeit getestet hatte, die ich aber – weil sie hier reichlich am Feldrand vorhanden sind, durchaus wieder in Erwägung ziehen könnte, wenn ich einen Gelbton brauche. Bei der groben Identifizierung half mir mein Pflanzenbestimmungsbuch, das mich schon seit vielen, vielen Jahren begleitet: Was blüht denn da? (Kosmos-Naturführer)

Es handelt sich um eine Melde- und um eine Knöterichart.

Melde

Knöterich

Und weil mir die Farben gut gefielen, habe ich ein paar Sockenwollstränge partiell damit eingefärbt. Dazu kamen Mädchenauge und Waid, der bei der Überfärbung die Gelbtöne in Grün verwandelte.

Diese und weitere Stränge gibt es demnächst im Shop.

Ach ja … ich war ja eigentlich zum Schilfblütensammeln losgezogen … auch die wurden verwendet und die Färbung mit Waid „abgerundet“:

ich gebe zu, mir war etwas mulmig bei der Durchführung meines Vorhabens, ein fertiges Kleidungsstück mit ecoprints aufzupeppen. Bisher hatte ich immer nur mit Stoffstücken gearbeitet (z.B. HIER oder HIER). Aber: was konnte schon passieren? Im schlimmsten Fall würde ich eine günstig erstandene langweilige Tunika aus 55% Leinen und 45% Viskose verhunzen. Es musste einfach sein – der Gedanke ging mir schon viel zu lange im Kopf herum. Also frisch ans Werk: beizen mit selbst hergestelltem Eisen- und Kupferwasser, belegen mit frischen Blättern (u.a. Essigbaumblätter, Rosenblätter), falten, aufrollen und abbinden. Vom Entstehungsprozess gibt es leider keine Bilder – dazu war alles viel zu spannend. Das Bündel wurde in einem alten Spargelkochtopf vom Flohmarkt gedämpft und nach dem Abkühlen ausgepackt. Anschließend kam die Tunika in die Waschmaschine bei 40°C. Jetzt überlege ich, ob ich das gute Stück noch überfärben soll (vielleicht mit Schilfblüten?) oder ob ich es so lasse.

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