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oder: es ist vollbracht!

Gefühlte 6 Monate hat es gedauert, bis ich 500g Flachs versponnen hatte… nun sitze ich auch nicht jeden Tag am Spinnrad, sondern nur dann, wenn mir danach ist. Aber nun ist es fertig. Frisch gehaspelt fühlt es sich steif an wie Bindfaden und man kann sich schwer vorstellen, dass man aus diesem Garn jemals etwas am Körper Tragbares anfertigen kann.

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500g handgesponnenes Leinengarn

Um alles, was an Ölen im Garn vorhanden war, zu entfernen, habe ich die Stränge unter Zusatz von Waschsoda ausgekocht. Nach dem ersten Durchgang sah die Brühe so aus:

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Leinengarn nach dem ersten Auskochen

Es folgten zwei weitere Kochvorgänge. Danach war das Auskochwasser nur noch hellbraun.

Eigentlich hätte ich jetzt das Garn trocknen und verarbeiten können, aber ich wollte Farbe. Also folgte als nächster Schritt das Beizen mit Alaun und Tannin. Nach dem Trocknen habe ich die Stränge zehn Tage gelagert.

Weil die Schilfblüten gerade den richtigen Reifezustand hatten, habe ich bei brüllender Hitze einen Eimer voll gepflückt, über Nacht eingeweicht, am nächsten Tag ausgekocht, über Nacht auskühlen lassen und dann die Schilfblüten entfernt.

Das wieder eingeweichte gebeizte Garn habe ich ca. 1 Stunde im Farbsud geköchelt, über Nacht im Topf ziehen lassen, getrocknet und anschließend noch einen weiteren Färbedurchgang mit erneuter Trocknung gemacht.

Der letzte Schritt: das gefärbte Garn wurde noch einmal unter Zugabe von Alaun aufgekocht, um überschüssigen Farbstoff zu entfernen. Und hier liegt es nun in seiner ganzen Schönheit: mein grünes Leinengarn:

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mit Schilfblüten gefärbtes Leinengarn

Da sich die Farbe sehr schwer wiedergeben lässt, kommt hier noch ein Vergleichsfoto: das gefärbte Garn auf einem Kleidungsstück aus ungefärbtem Leinengarn.

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gefärbtes Garn auf ungefärbtem Leinen

Ich gebe zu: Wolle färben geht schneller … aber darum geht es ja nicht.Pflanzenfasern erfordern nun ‚mal ein anderes Vorgehen als Tierfasern, wenn man haltbare Ergebnisse erzielen will.

Kleine Spinnerei

Ihr kennt das ja schon von mir: etwas wegwerfen, das man noch für irgendein Projekt verwenden könnte? … nur äußerst  ungern. Und so hatte ich noch von diesem Schal viele kurze pflanzengefärbte Reste übrig:

SAMSUNG CAMERA PICTURES Zur Verwendung dieser Reste spukte mir schon länger eine Idee im Kopf herum.

Heute nun habe ich mir mein einfädiges Konengarn vorgenommen und es zunächst 4fädig verzwirnt.

Dieses Garn wiederum habe ich dann in umgekehrter Richtung mit sich selbst verzwirnt. Während des Verzwirnens habe ich immer ein buntes Reststückchen mitlaufen lassen. Um den Drall wieder heraus zu nehmen habe ich dann dieses Garn erneut in umgekehrter Richtung mit sich selbst verzwirnt.

Verstrickt mit 5er-Nadeln sieht das Ganze so aus:

Zugegeben, die Angelegenheit ist ziemlich aufwändig, aber wie gesagt: nur eine kleine Spinnerei ;o)

Und: JA, die vorstehenden Garnenden sind beabsichtigt.

ich übe …

irgendwann wird nur „geradeaus“ spinnen langweilig … deswegen ist dieses Buch bei mir eingezogen:

und jetzt bin ich fleißig am Üben ;o)

artyarn

Melde und Knöterich

Beim Sammeln von Schilfblüten bin ich auf zwei Pflanzen gestoßen, die ich noch nicht auf Färbetauglichkeit getestet hatte, die ich aber – weil sie hier reichlich am Feldrand vorhanden sind, durchaus wieder in Erwägung ziehen könnte, wenn ich einen Gelbton brauche. Bei der groben Identifizierung half mir mein Pflanzenbestimmungsbuch, das mich schon seit vielen, vielen Jahren begleitet: Was blüht denn da? (Kosmos-Naturführer)

Es handelt sich um eine Melde- und um eine Knöterichart.

Melde

Knöterich

Und weil mir die Farben gut gefielen, habe ich ein paar Sockenwollstränge partiell damit eingefärbt. Dazu kamen Mädchenauge und Waid, der bei der Überfärbung die Gelbtöne in Grün verwandelte.

Diese und weitere Stränge gibt es demnächst im Shop.

Ach ja … ich war ja eigentlich zum Schilfblütensammeln losgezogen … auch die wurden verwendet und die Färbung mit Waid „abgerundet“:

ich gebe zu, mir war etwas mulmig bei der Durchführung meines Vorhabens, ein fertiges Kleidungsstück mit ecoprints aufzupeppen. Bisher hatte ich immer nur mit Stoffstücken gearbeitet (z.B. HIER oder HIER). Aber: was konnte schon passieren? Im schlimmsten Fall würde ich eine günstig erstandene langweilige Tunika aus 55% Leinen und 45% Viskose verhunzen. Es musste einfach sein – der Gedanke ging mir schon viel zu lange im Kopf herum. Also frisch ans Werk: beizen mit selbst hergestelltem Eisen- und Kupferwasser, belegen mit frischen Blättern (u.a. Essigbaumblätter, Rosenblätter), falten, aufrollen und abbinden. Vom Entstehungsprozess gibt es leider keine Bilder – dazu war alles viel zu spannend. Das Bündel wurde in einem alten Spargelkochtopf vom Flohmarkt gedämpft und nach dem Abkühlen ausgepackt. Anschließend kam die Tunika in die Waschmaschine bei 40°C. Jetzt überlege ich, ob ich das gute Stück noch überfärben soll (vielleicht mit Schilfblüten?) oder ob ich es so lasse.

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Filz- Geschichten

Geschichte Nr. 1

Auf besonderen Wunsch einer mir nahestehenden älteren Dame hatte ich vor einiger Zeit aus dem Isager-Garn „Tvinni“ eine Strickjacke mit aufwändigem Zopfmuster gestrickt – zweifädig (ein Faden dunkelbraun, der andere rot). Die Jacke gefiel und passte gut, wärmte und wurde gerne getragen. Nun war eine Wäsche notwendig geworden, die dem Geschenk beigelegte Waschanleitung war abhanden gekommen und so landete das gute Stück in der Waschmaschine … ihr wisst, was jetzt kommt:

Die Jacke ist von Gr.48 auf eine geschätzte Gr.38 geschrumpft, Form und Muster sind erhalten geblieben, sie ist halt jetzt sehr dicht (wie das bei Strickfilz so ist) und wärmt sicherlich hervorragend – sie passt nur niemandem in meiner näheren Umgebung; die Kinder sind erwachsen und Enkelkinder nicht in Sicht. Ich könnte sie natürlich zerschneiden und Handschuhe, Stulpen oder eine Mütze daraus nähen, aber das bringe ich nicht fertig.

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Lieber wäre es mir, wenn sich jemand vorstellen könnte, die Jacke zu tragen. Schickt mir eine Nachricht, dann sende ich die genauen Maße. (Die Jacke ist übrigens überall gleich lang, nur auf dem Bild sieht es so aus, als sei eine Seite länger als die andere)

edit: die Geschichte hat ein gutes Ende genommen … es hat sich jemand gefunden, der die Filz-Jacke passt.

Geschichte Nr.2

Vor ca. 30 Jahren habe ich während eines Webkurses auf Bornholm zwei Decken in Grautönen gewebt. Eine habe ich verschenkt, die andere hat bis jetzt gute Dienste auf dem Sofa geleistet. Nun hatte sie allerdings ihre beste Zeit hinter sich, denn die Ränder fransten aus. Da ich ja nicht anders kann, als den Dingen noch ein zweites Leben zu geben, habe ich die Decke zum Filzen in die Waschmaschine gegeben. Was mit Strickstücken geht, klappte auch mit Gewebtem. Das Gewebe schrumpfte und verdichtete sich wie gewünscht und aus der ehemaligen Decke konnte ich drei Kissenhüllen nähen. Bei zwei der Hüllen habe ich die vorhandenen Fransen zum Verschliessen verknotet – Kissenhüllen für Faule sozusagen; die dritte bekommt noch einen Reißverschluss.

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Geschichte Nr. 3:

Schon lange standen Duffers auf meiner to-do-Liste, doch die Liste ist lang und so kam es bisher nie zur Ausführung … bis vor Kurzem dieser ausführliche Beitrag von Ingrid sowie ihre genialen Abänderungen der Anleitung den letzten Anstoss gaben, das Projekt endlich in Angriff zu nehmen.

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Vielen Dank dafür. Jetzt überlege ich noch, auf welche Art und Weise ich die Hausschuhe noch ein wenig individueller gestalten kann.

wegen der frühlingshaften Temperaturen bis jetzt in den November hinein habe ich erst in der vergangenen Woche mein Beet mit zweijährigem Waid abgeerntet … mit Stumpf und Stiel d.h. die ganze Pflanze mitsamt den Wurzeln wurde herausgezogen. Das Beet ist nun wieder frei für die Waid- Neuaussaat. Ich hatte geplant , dem Waid möglichst viele verschiedene Farbtöne zu entlocken:

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Zu diesem Zweck habe ich 5 verschiedene Färbeverfahren angewendet:

Färbeverfahren 1:

die Blätter wurden in der Regentonne gewaschen, mit der Schere grob zerkleinert und in einer ausrangierten Küchenmaschine geschreddert; die geschredderten Blätter dann mit kaltem Wasser übergossen, dazu ein Schuß Essig und dann wurde der Farbstoff aus den Blättern geknetet. Zum Glück hatte ich tatkräftige Hilfe: wir waren zu dritt und eine von uns hat geschnitten, die andere hat geschreddert und die dritte hat geknetet. Nach dem Abseihen konnten die Stränge und Kammzüge  in der grünen Flüssigkeit versenkt werden. Nach jedem Zug folgte das Verblauen auf der Wäscheleine, bevor die Fasern erneut ins Farbbad kamen. Dieses Verfahren funktioniert auch ohne Vorbeize.

Färbeverfahren 2:

die Hälfte des Farbbades aus Verfahren 1 habe ich zusammen mit vorgebeizter Wolle erhitzt und diese heiß gefärbt.

 Färbeverfahren 3:

die ausgequetschten Blätter wurden mit Wasser aufgegossen und ausgekocht; nach dem Abseihen wurde vorgebeizte Wolle darin heiß gefärbt.

Färbeverfahren 4:

mit der zweiten Hälfte des Farbsudes vom ersten Färbeverfahren habe ich nach der Entfärber-Methode gefärbt. Es wurden mehrere Züge durchgeführt mit zwischenzeitlichem Verblauen an der Luft. Auch bei diesem Verfahren ist keine Vorbeize nötig.

Färbeverfahren 5:

die Waidwurzeln wurden gewaschen, zerkleinert, ausgekocht und über Nacht stehen gelassen. Im abgeseihten Farbsud wurde heiß mit vorgebeizter Wolle gefärbt.

Jetzt fehlt zur Vollständigkeit noch das Färben mit ausgekochten Waidsamen, dann hätte ich das Färbepotential des Waid so ziemlich ausgereizt – oder fällt euch noch eine weitere Waidfärbevariante ein? Leider hatte ich keine ungefärbte Wolle mehr …

Fazit: ich habe mit allen hier genannten Verfahren mit Waid schon intensivere Ergebnisse erhalten, wenn man jedoch die Menge der Wolle / Fasern, die gefärbt wurden, berücksichtigt, ist das aber sicher kein schlechtes Ergebnis. Allein an Sockenwolle hatte ich 500g – die Spinnfasern habe ich nicht gewogen.

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Waidfärbungen

obere Reihe: Färbeverfahren 1; der rechte Strang ist eine Überfärbung

mittlere Reihe, die beiden linken Beispiele: Färbeverfahren 2

mittlere Reihe, die beiden rechten Beispiele: Färbeverfahren 5

untere Reihe, die 3 linken Beispiele: Färbeverfahren  3

untere Reihe, die 3 rechten Beispiele: Färbeverfahren  4 (ganz rechts: Seiden- Hankies)

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