Solarfärbe- Versuchslabor

Unter Solarfärbe- Anfängern taucht häufig die Frage auf: womit kann ich färben und welche Farbe erhalte ich?

Für mich gilt immer: „Versuch macht klug“ und so habe ich Anfang Juni eine Versuchsreihe aufgebaut, in der ich Pflanzen – zum größten Teil aus meinem Garten – auf ihre Solarfärbetauglichkeit getestet habe:

rsIMG_3428

 

Benutzt habe ich Marmeladen- und Mayonnaisengläser und ähnliche kleine Gläser mit Schraubdeckel. Die Probestränge , die ich von einem Sockenwollstrang abgewickelt habe, waren vorgebeizt (darauf komme ich später noch zurück) und hatten ein Gewicht von ca. 5g . Zusammen mit den zerkleinerten Färbepflanzen habe ich jeweils einen Strang in die Gläser gelegt, bis zum Rand mit Wasser aufgefüllt und die Gläser verschlossen. Nach unterschiedlicher Färbedauer  (zwischen ein paar Tagen und 3 Wochen) in Sonne und Regen habe ich die Proben aus den Gläsern genommen – jeweils dann, wenn mir der Farbton intensiv genug war. Und so sehen meine fertigen Proben aus:

Solarfärbeproben 2014 (1)
Solarfärbeproben 2014 (1)
solarproben2
Solarfärbeproben 2014 (2)
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Solarfärbeproben 2014 (3)

Die Ergebnisse haben mich in ihrer Intensität zum Teil überrascht. Zu bedenken ist hier jedoch, dass ich – im Verhältnis zum Gewicht der Probestränge – relativ viel Pflanzenmaterial verwendet habe. Darüber hinaus war die verwendete Wolle superwash ausgerüstet, was ja bekanntlich auch zu intensiveren Ergebnissen führt. Ich möchte diese Versuche keinesfalls als Rezepte verstanden wissen – bitte fragt mich nicht nach Mengenangaben und seid darauf gefasst, dass ihr möglicherweise andere Ergebnisse erzielen werdet. Standort, Erntezeit, Wasserqualität und andere Faktoren beeinflussen die Färbeergebnisse erheblich. Mein Ziel war es, herauszufinden, welches Potential in  einzelnen Pflanzen steckt. Darüber hinaus möchte ich dazu ermutigen, auch einmal die ausgetretenen Pfade zu verlassen und Pflanzen auszuprobieren, die jenseits des allgemein Üblichen liegen. Wenn man das in kleinem Rahmen macht, hat man nicht viel zu verlieren.

Wie schon erwähnt, habe ich die Probestränge vorgebeizt. Ich habe immer einen Eimer mit selbst angesetzter Kaltbeize stehen, in dem ständig ein paar Stränge Wolle vorbeizen. So bin ich jederzeit vorbereitet auf spontane Solar- oder Topffärbeaktionen. Ich habe in den vergangenen Jahren folgende Erfahrung gemacht: wenn man das Alaun direkt ins Färbeglas gibt, verbindet sich ein Teil der aus den Pflanzen gelösten Farbstoffe mit dem freien Alaun, sinkt auf den Boden des Glases und kann nicht mehr auf die Faser aufziehen. An dieser Stelle darf ich das ja schreiben, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen ;o) (sorry – das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen).

Nachtrag: Die Färbungen sind reib- und waschecht. Die Lichtechtheit habe ich nicht getestet – das ist wieder ein anderes Thema.

Ich hoffe, dass die Solarfärbezeit noch lange andauert und wünsche euch viel Spaß beim Färben.

 

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13 Kommentare

  1. Hab auch schon ein paar Färbungen gemacht … Mit grünen Walnusschalen, Brenessel, Königskerze etc …. Deine Farben sind einfache SPITZE (y)

  2. Dies ist eine schöne Farbpalette. Herzlichen Glückwunsch zu so wunderbare Ergebnisse. Es ist sehr inspirierend für mich.

  3. Wow, was für tolle Farben 🙂

    Die eine oder andere Färbung sollte ich wohl doch noch ansetzen…

    Sonnige Grüße aus der Eifel – Petra

  4. Vielen Dank für die schöne Dokumentation. Die Farben finde ich, sind toll intensiv geworden, ich mag mittlerweile einfarbige stränge mehr, als mehrfarbige.
    LG Anne

  5. Das ist ebenso schön wie aufschlussreich. Danke für die ausführliche Dokumentation und die schönen Fotos. Bisher habe ich immer gedacht, Solarfärbungen sind zwangsläufig meliert, aber bei dir ist das kaum feststellbar. Was hast du mit den Garnen vor? Als Muster behalten oder verarbeiten?
    LG
    Siebensachen

  6. Klasse, da kann man sich Anregungen holen. Einige Farben haben mich sehr erstaunt. Z.B. Granatapfel. Das sah bei mir ganz anders aus (grauslich), hab aber auch die ganze Frucht zerhackt. Die Walnussblätter haben bei mir eher grün gefärbt. Interessant auch die Klatschmohnfärbung. Heisst es doch an anderer Stelle, dass das nicht funktioniert.
    Ich hab jetzt Stockrosen angesetzt und ich denke, länger als 1 Tag brauchen die nicht.

  7. Was machst Du aus den Proben? Oder lässt Du sie als Anschauungsmaterial liegen?

  8. Liebe Kirsten,
    immer wieder lese ich mit Begeisterung in deinem Blog. Vor so viel Kreativität ziehe ich meinen (imaginären) Hut. Deine Färbeproben sind wirklich toll geworden. Ich beschäftige mich auch schon längere Zeit sehr intensiv (im Stillen ;-)) mit Pflanzenfärben. Letztes Jahr habe ich mit einer Versuchsreihe begonnen – Sockenwolle, 100%Wolle und Seide – und bin zur Zeit bei Nummer 156. Es macht sehr viel Spaß und ist auch informativ.
    Ganz liebe Grüße aus Österreich,
    Renate

  9. ich haette ja jetzt gedacht, dass man seine selbst gemachten erfahrungen bei sowas ueberall schreiben darf, ohne mit „dreck“ beworfen zu werden! jedenfalls finde ich deine ergebnisse sehr interessant – einige hab ich auch schon gemacht, und ziemlich andere ergebnisse erzielt (fuchsienblueten z.b. gaben bei mir ein sehr „beissendes“ gelb.) aber so ist das eben bei naturfarben – grad spannend, finde ich! und „rezepte“ sind dabei sowieso eigentlich ueberfluessig, weil man schon mit anderem wasser oder anderem wetter andere ergebnisse hat, von anderen standorten, boden etc. mal ganz abgesehen!
    viele gruesse von der gruenen insel, wo es zur zeit sehr „klebrig“ warm ist…
    Bettina
    ps. der krapp wuchert ganz munter vor sich hin – ich haett jetzt gern nen time turner, damit ich schonmal 3 jahre vorreisen kann zum ernten:)

  10. Bettina, man darf selbst gemachte Erfahrungen in einer bestimmten Gruppe nur schreiben, wenn man sich genau an eine deren Anleitung hält. Das Wort „Essig“ darf nicht benutzt werden und „Vorbeize“ auch nicht. Völlig albern. Wobei ich Rezepte schon nützlich finde. Man darf eben nur nicht damit rechnen, dass man damit zum exakt gleichen Farbergebnis kommt.

  11. Hanna, wie es scheint, bin ich in dieser gruppe nicht:) wenn mir jemand vorschreiben wuerde, dass ich diese worte nicht benutzen darf – waere ich da sicherlich sowieso nicht lange drin, sehr merkwuerdig! wo doch vorbeizen und essig in allen moeglichen varianten beim faerben benutzt werden… manchmal muss man sich ueber auswuechse dieser art im internet schon wundern! aber auch, wenn ich jetzt ganz aus der art schlage – ich habe auch den eindruck, dass man einen teil des farbstoffes verliert, wenn man alaun direkt zum farbstoff gibt ins glas! und schlimmer noch: ich faerbe manchmal beerenfaerbungen, indem ich sie mit essig ansetze:) zur zeit stehen mahonienbeeren in essig angesetzt bereit – allerdings werde ich das garn auch noch vorbeizen, aber eben keine beize zu den beeren geben.

    viele gruesse von der gruenen insel, wo wir heute auch mal ein kraeftiges gewitter und heftige schauern hatten – selten genug sind sie ja hier (die gewitter, nicht die schauern:)

    Bettina

  12. Ich war in dieser Gruppe, bin einige Male angeeckt und ermahnt worden. Hab weiter meine Dinge gepostet und als ich mal gefragt wurde wie ich diese Färbung angesetzt hatte, hab ich es geschrieben: Vorgebeizt. Peng, und weg war ich. Muß ich mir nun keine Gedanken mehr drüber machen. Dass man Farbstoff verliert wenn Alaun im Glas ist, das hab ich schon oft gehört inzwischen. Als erstes von Kirsten.

  13. …äh Bettina, wie machst Du das mit den Früchten in Essig? Erklär doch bitte mal genauer. Und warum machst Du das?

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