Feeds:
Beiträge
Kommentare

ich gebe zu, mir war etwas mulmig bei der Durchführung meines Vorhabens, ein fertiges Kleidungsstück mit ecoprints aufzupeppen. Bisher hatte ich immer nur mit Stoffstücken gearbeitet (z.B. HIER oder HIER). Aber: was konnte schon passieren? Im schlimmsten Fall würde ich eine günstig erstandene langweilige Tunika aus 55% Leinen und 45% Viskose verhunzen. Es musste einfach sein – der Gedanke ging mir schon viel zu lange im Kopf herum. Also frisch ans Werk: beizen mit selbst hergestelltem Eisen- und Kupferwasser, belegen mit frischen Blättern (u.a. Essigbaumblätter, Rosenblätter), falten, aufrollen und abbinden. Vom Entstehungsprozess gibt es leider keine Bilder – dazu war alles viel zu spannend. Das Bündel wurde in einem alten Spargelkochtopf vom Flohmarkt gedämpft und nach dem Abkühlen ausgepackt. Anschließend kam die Tunika in die Waschmaschine bei 40°C. Jetzt überlege ich, ob ich das gute Stück noch überfärben soll (vielleicht mit Schilfblüten?) oder ob ich es so lasse.

rsSAM_0944

Advertisements

Filz- Geschichten

Geschichte Nr. 1

Auf besonderen Wunsch einer mir nahestehenden älteren Dame hatte ich vor einiger Zeit aus dem Isager-Garn „Tvinni“ eine Strickjacke mit aufwändigem Zopfmuster gestrickt – zweifädig (ein Faden dunkelbraun, der andere rot). Die Jacke gefiel und passte gut, wärmte und wurde gerne getragen. Nun war eine Wäsche notwendig geworden, die dem Geschenk beigelegte Waschanleitung war abhanden gekommen und so landete das gute Stück in der Waschmaschine … ihr wisst, was jetzt kommt:

Die Jacke ist von Gr.48 auf eine geschätzte Gr.38 geschrumpft, Form und Muster sind erhalten geblieben, sie ist halt jetzt sehr dicht (wie das bei Strickfilz so ist) und wärmt sicherlich hervorragend – sie passt nur niemandem in meiner näheren Umgebung; die Kinder sind erwachsen und Enkelkinder nicht in Sicht. Ich könnte sie natürlich zerschneiden und Handschuhe, Stulpen oder eine Mütze daraus nähen, aber das bringe ich nicht fertig.

rsSAM_0174

Lieber wäre es mir, wenn sich jemand vorstellen könnte, die Jacke zu tragen. Schickt mir eine Nachricht, dann sende ich die genauen Maße. (Die Jacke ist übrigens überall gleich lang, nur auf dem Bild sieht es so aus, als sei eine Seite länger als die andere)

edit: die Geschichte hat ein gutes Ende genommen … es hat sich jemand gefunden, der die Filz-Jacke passt.

Geschichte Nr.2

Vor ca. 30 Jahren habe ich während eines Webkurses auf Bornholm zwei Decken in Grautönen gewebt. Eine habe ich verschenkt, die andere hat bis jetzt gute Dienste auf dem Sofa geleistet. Nun hatte sie allerdings ihre beste Zeit hinter sich, denn die Ränder fransten aus. Da ich ja nicht anders kann, als den Dingen noch ein zweites Leben zu geben, habe ich die Decke zum Filzen in die Waschmaschine gegeben. Was mit Strickstücken geht, klappte auch mit Gewebtem. Das Gewebe schrumpfte und verdichtete sich wie gewünscht und aus der ehemaligen Decke konnte ich drei Kissenhüllen nähen. Bei zwei der Hüllen habe ich die vorhandenen Fransen zum Verschliessen verknotet – Kissenhüllen für Faule sozusagen; die dritte bekommt noch einen Reißverschluss.

rsSAM_0182

Geschichte Nr. 3:

Schon lange standen Duffers auf meiner to-do-Liste, doch die Liste ist lang und so kam es bisher nie zur Ausführung … bis vor Kurzem dieser ausführliche Beitrag von Ingrid sowie ihre genialen Abänderungen der Anleitung den letzten Anstoss gaben, das Projekt endlich in Angriff zu nehmen.

rsSAM_0187

Vielen Dank dafür. Jetzt überlege ich noch, auf welche Art und Weise ich die Hausschuhe noch ein wenig individueller gestalten kann.

wegen der frühlingshaften Temperaturen bis jetzt in den November hinein habe ich erst in der vergangenen Woche mein Beet mit zweijährigem Waid abgeerntet … mit Stumpf und Stiel d.h. die ganze Pflanze mitsamt den Wurzeln wurde herausgezogen. Das Beet ist nun wieder frei für die Waid- Neuaussaat. Ich hatte geplant , dem Waid möglichst viele verschiedene Farbtöne zu entlocken:

rsIMG_4695

 

rsIMG_4703

 

Zu diesem Zweck habe ich 5 verschiedene Färbeverfahren angewendet:

Färbeverfahren 1:

die Blätter wurden in der Regentonne gewaschen, mit der Schere grob zerkleinert und in einer ausrangierten Küchenmaschine geschreddert; die geschredderten Blätter dann mit kaltem Wasser übergossen, dazu ein Schuß Essig und dann wurde der Farbstoff aus den Blättern geknetet. Zum Glück hatte ich tatkräftige Hilfe: wir waren zu dritt und eine von uns hat geschnitten, die andere hat geschreddert und die dritte hat geknetet. Nach dem Abseihen konnten die Stränge und Kammzüge  in der grünen Flüssigkeit versenkt werden. Nach jedem Zug folgte das Verblauen auf der Wäscheleine, bevor die Fasern erneut ins Farbbad kamen. Dieses Verfahren funktioniert auch ohne Vorbeize.

Färbeverfahren 2:

die Hälfte des Farbbades aus Verfahren 1 habe ich zusammen mit vorgebeizter Wolle erhitzt und diese heiß gefärbt.

 Färbeverfahren 3:

die ausgequetschten Blätter wurden mit Wasser aufgegossen und ausgekocht; nach dem Abseihen wurde vorgebeizte Wolle darin heiß gefärbt.

Färbeverfahren 4:

mit der zweiten Hälfte des Farbsudes vom ersten Färbeverfahren habe ich nach der Entfärber-Methode gefärbt. Es wurden mehrere Züge durchgeführt mit zwischenzeitlichem Verblauen an der Luft. Auch bei diesem Verfahren ist keine Vorbeize nötig.

Färbeverfahren 5:

die Waidwurzeln wurden gewaschen, zerkleinert, ausgekocht und über Nacht stehen gelassen. Im abgeseihten Farbsud wurde heiß mit vorgebeizter Wolle gefärbt.

Jetzt fehlt zur Vollständigkeit noch das Färben mit ausgekochten Waidsamen, dann hätte ich das Färbepotential des Waid so ziemlich ausgereizt – oder fällt euch noch eine weitere Waidfärbevariante ein? Leider hatte ich keine ungefärbte Wolle mehr …

Fazit: ich habe mit allen hier genannten Verfahren mit Waid schon intensivere Ergebnisse erhalten, wenn man jedoch die Menge der Wolle / Fasern, die gefärbt wurden, berücksichtigt, ist das aber sicher kein schlechtes Ergebnis. Allein an Sockenwolle hatte ich 500g – die Spinnfasern habe ich nicht gewogen.

rsIMG_4716

Waidfärbungen

obere Reihe: Färbeverfahren 1; der rechte Strang ist eine Überfärbung

mittlere Reihe, die beiden linken Beispiele: Färbeverfahren 2

mittlere Reihe, die beiden rechten Beispiele: Färbeverfahren 5

untere Reihe, die 3 linken Beispiele: Färbeverfahren  3

untere Reihe, die 3 rechten Beispiele: Färbeverfahren  4 (ganz rechts: Seiden- Hankies)

Ecoprints auf Baumwolle

Nach meinen Ecoprint-Versuchen auf Bouretteseide und ersten Fehlschlägen auf Baumwolle habe ich fleißig weiter experimentiert und mir Informationen beschafft. Unter anderem habe ich mir das Buch Naturdruck mit Pflanzenfarben auf Stoff von Brunhilde Scheidmeir, Fritz Jeromin und Andreas Scheidmeir gekauft.

Nun weiß ich: mit der richtigen Beize klappt es auch auf Baumwolle. In einer Ecoprintgruppe im Internet hatte man mir geraten, den Baumwollstoff in Sojamilch zu baden. Das hat für mich überhaupt nicht geklappt, möglicherweise habe ich dabei auch etwas falsch gemacht. Den Durchbruch brachte erst eine aus Eisen- und Kupferwasser gemischte Vorbeize, die auf Baumwollnesselstoff ebenso funktionierte wie auf einem alten Baumwollbettlaken:

rsIMG_4527

rsIMG_4565

rsIMG_4559

Ich habe eine Menge gelernt beim Ausprobieren:

(1) wenn der Stoff zu nass ist, verschwimmen die Konturen:

rsIMG_4569

deshalb bin ich dazu übergegangen, die Bündel nicht mehr im Wasser zu kochen, sondern nur noch zu dämpfen.

(2) als besonders geeignet für Ecoprints auf Baumwolle haben sich gezeigt:

Essigbaumblätter, Ahornblätter, Kastanienblätter, Goldrutenblätter, Rainfarnblätter, Blätter vom Perückenstrauch und Rosenblätter:

eco2

(3) die Vorderseite und die Rückseite der Blätter drucken unterschiedlich: meist gibt die Rückseite intensivere Ergebnisse:

eco1

Ich finde das Ganze so faszinierend, dass ich weiter experimentieren werde – einen Vorrat an geeigneten Blättern habe ich schon gesammelt und gepresst, denn: getrocknete Blätter eignen sich ebenso wie frische.

Färberknöterich

den Sommer über habe ich meine Färberknöterichpflanzen, deren Samen mir die Rosendame geschickt hatte, in Töpfen auf der Terasse wachsen lassen. Nachdem die Tomaten abgeerntet waren, zogen die Töpfe ins Gewächshaus um. Und so wie es aussieht, kann ich in diesem Jahr aufgrund der milden Witterung meine ersten eigenen Färberknöterichsamen ernten. Einige Blütenstände, die schon Samen angesetzt hatten, habe ich bereits abgeschnitten und im Haus in ein Glas mit Wasser gestellt, damit mir ja keines der Samenkörnchen abfällt und verloren geht ;o).

japindigo

Ecoprints

schon seit einiger Zeit verfolge ich verschiedene Blogs und Gruppen, die sich mit dem Thema Ecoprinting befassen, habe Bilder von gelungenen Versuchen bei Pinterest gesammelt und mir das Buch Eco Colour: Environmentally Sustainable Dyes von India Flint gekauft:

 

71bGC6f+ktL

Schließlich hatte ich das Gefühl, genügend Informationen gesammelt zu haben, um meine ersten eigenen Versuche durchführen zu können. Den Stoff, eine Bouretteseide, habe ich mit Alaun vorgebeizt und verschiedene Blätter z.B. von Ahorn, Goldrute, Rainfarn, Walnuss und Eiche gesammelt. Den nassen Stoff habe ich mit den Blättern belegt, gefaltet, auf eine leere Plastikkone gewickelt und mit Bindfaden umwickelt. Die Rolle simmerte dann ca. eine Stunde in einem schon schwachen Farbsud von Malvenblüten, in dem sie anschliessend über Nacht verblieb (auch wenn es mir schwerfiel, nicht sofort nachzusehen, ob und wie die Blätter tatsächlich Abdrücke hinterlassen hatten). Am nächsten Morgen dann der spannende Moment beim Auspacken …

ecoprints

Es hatte geklappt und die Ergebnisse haben in ihrer Intensität meine Erwartungen sogar noch übertroffen:

rsIMG_3986

Walnuss- und Rainfarnblätter auf Bouretteseide

rsIMG_3982

Walnuss- und Ahornblätter auf Bouretteseide

rsIMG_3980

Ahorn- und Walnussblätter

Walnuss- und Goldrutenblätter auf Bouretteseide

Walnuss- und Goldrutenblätter auf Bouretteseide

rsIMG_3978

und hier noch ein paar Details:

rsIMG_3983

rsIMG_3981

rsIMG_3979

Leider sind meine Versuche auf Baumwollnessel dagegen bislang noch nicht so überzeugend … da muss ich noch ein bißchen experimentieren.

In meinem Garten habe ich Stockrosen in verschiedenen Farben, deren abgefallene Blüten ich getrennt gesammelt bzw. sortiert habe:

Stockrosenblüten in versch. Farben

Stockrosenblüten in versch. Farben

In jedes Glas habe ich jeweils 5g davon eingefüllt und mit heißem Wasser aufgegossen.

Schon an dieser Stelle kann man sehen, wie unterschiedlich die Farben sind, die extrahiert werden:

rsIMG_3696a

 

Pro Glas kam  ein mit Kaltbeize vorgebeizter Probestrang (Sockenwolle, ca. 5g) dazu und die Gläser wurden in die Sonne gestellt. Nach wenigen Tagen sah das Ergebnis so aus:

rsStockrosenvergleich

Ich habe viele Beispiele gesehen, bei denen mit schwarzen Stockrosen ein Blauton erreicht wurde. Mir ist das noch nie gelungen, meine werden immer grünstichig bis petrolfarben. Ich vermute, das liegt an der Wasserqualität.