Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘pflanzenfarben’

wegen der frühlingshaften Temperaturen bis jetzt in den November hinein habe ich erst in der vergangenen Woche mein Beet mit zweijährigem Waid abgeerntet … mit Stumpf und Stiel d.h. die ganze Pflanze mitsamt den Wurzeln wurde herausgezogen. Das Beet ist nun wieder frei für die Waid- Neuaussaat. Ich hatte geplant , dem Waid möglichst viele verschiedene Farbtöne zu entlocken:

rsIMG_4695

 

rsIMG_4703

 

Zu diesem Zweck habe ich 5 verschiedene Färbeverfahren angewendet:

Färbeverfahren 1:

die Blätter wurden in der Regentonne gewaschen, mit der Schere grob zerkleinert und in einer ausrangierten Küchenmaschine geschreddert; die geschredderten Blätter dann mit kaltem Wasser übergossen, dazu ein Schuß Essig und dann wurde der Farbstoff aus den Blättern geknetet. Zum Glück hatte ich tatkräftige Hilfe: wir waren zu dritt und eine von uns hat geschnitten, die andere hat geschreddert und die dritte hat geknetet. Nach dem Abseihen konnten die Stränge und Kammzüge  in der grünen Flüssigkeit versenkt werden. Nach jedem Zug folgte das Verblauen auf der Wäscheleine, bevor die Fasern erneut ins Farbbad kamen. Dieses Verfahren funktioniert auch ohne Vorbeize.

Färbeverfahren 2:

die Hälfte des Farbbades aus Verfahren 1 habe ich zusammen mit vorgebeizter Wolle erhitzt und diese heiß gefärbt.

 Färbeverfahren 3:

die ausgequetschten Blätter wurden mit Wasser aufgegossen und ausgekocht; nach dem Abseihen wurde vorgebeizte Wolle darin heiß gefärbt.

Färbeverfahren 4:

mit der zweiten Hälfte des Farbsudes vom ersten Färbeverfahren habe ich nach der Entfärber-Methode gefärbt. Es wurden mehrere Züge durchgeführt mit zwischenzeitlichem Verblauen an der Luft. Auch bei diesem Verfahren ist keine Vorbeize nötig.

Färbeverfahren 5:

die Waidwurzeln wurden gewaschen, zerkleinert, ausgekocht und über Nacht stehen gelassen. Im abgeseihten Farbsud wurde heiß mit vorgebeizter Wolle gefärbt.

Jetzt fehlt zur Vollständigkeit noch das Färben mit ausgekochten Waidsamen, dann hätte ich das Färbepotential des Waid so ziemlich ausgereizt – oder fällt euch noch eine weitere Waidfärbevariante ein? Leider hatte ich keine ungefärbte Wolle mehr …

Fazit: ich habe mit allen hier genannten Verfahren mit Waid schon intensivere Ergebnisse erhalten, wenn man jedoch die Menge der Wolle / Fasern, die gefärbt wurden, berücksichtigt, ist das aber sicher kein schlechtes Ergebnis. Allein an Sockenwolle hatte ich 500g – die Spinnfasern habe ich nicht gewogen.

rsIMG_4716

Waidfärbungen

obere Reihe: Färbeverfahren 1; der rechte Strang ist eine Überfärbung

mittlere Reihe, die beiden linken Beispiele: Färbeverfahren 2

mittlere Reihe, die beiden rechten Beispiele: Färbeverfahren 5

untere Reihe, die 3 linken Beispiele: Färbeverfahren  3

untere Reihe, die 3 rechten Beispiele: Färbeverfahren  4 (ganz rechts: Seiden- Hankies)

Advertisements

Read Full Post »

In meinem Garten habe ich Stockrosen in verschiedenen Farben, deren abgefallene Blüten ich getrennt gesammelt bzw. sortiert habe:

Stockrosenblüten in versch. Farben

Stockrosenblüten in versch. Farben

In jedes Glas habe ich jeweils 5g davon eingefüllt und mit heißem Wasser aufgegossen.

Schon an dieser Stelle kann man sehen, wie unterschiedlich die Farben sind, die extrahiert werden:

rsIMG_3696a

 

Pro Glas kam  ein mit Kaltbeize vorgebeizter Probestrang (Sockenwolle, ca. 5g) dazu und die Gläser wurden in die Sonne gestellt. Nach wenigen Tagen sah das Ergebnis so aus:

rsStockrosenvergleich

Ich habe viele Beispiele gesehen, bei denen mit schwarzen Stockrosen ein Blauton erreicht wurde. Mir ist das noch nie gelungen, meine werden immer grünstichig bis petrolfarben. Ich vermute, das liegt an der Wasserqualität.

Read Full Post »

Zu meinem gestrigen Beitrag kam in den Kommentaren die Frage nach der Weiterverwendung der Ministränge auf, deshalb zeige ich hier noch einmal, wie ich die Färbeproben seit 6 jahren zur Dokumentation verwende:

In meiner Experimentierphase habe ich mit allem gefärbt, was mir in die Finger kam … da das eine ganze Menge war, habe ich immer nur kleine Probestränge von ca. 5g gefärbt. Zu jeder Färbung habe ich mir eine Karteikarte angelegt, die folgende Angaben enthält: Färbepflanze, Datum, ev. Sammelort, Faserart, Färbeverfahren, Vorbeize, Entwicklung usw.
Jede Pflanze hat eine eigene Karteikarte (manchmal auch mehrere). Zu jedem Färbeergebnis habe ich ein kleines Stückchen des gefärbten Garnes befestigt und eine fortlaufende Nummer vergeben. Diese Nummer zusammen mit der zugehörigen Färbepflanze und passenden Tags habe ich in einer Exceldatei abgespeichert, so dass ich filtern und sortieren kann.

rsIMG_2055

Diese Nummer befindet sich auch an den Ministrängen, die ich in flachen Kartons aufbewahre … inzwischen über 700 Stück.

rsIMG_2053

Das hat folgende Vorteile: anhand der Exceldatei kann ich mir immer schnell die gewünschte Färbepflanze heraussuchen und in der Färbekarte nachsehen, welche Farbtöne sich ergeben mit/ohne Beize oder mit/ohne Nuancierung mit Eisen, Kupfer etc.

Umgekehrt kann ich mir bei den Ministrängen einen gewünschten Farbton heraussuchen und in der Kartei nachsehen, wie ich den erzielt habe. Darüber hinaus kann ich die Ministränge bei Bedarf nach Themen sortieren, z.B. Färbungen mit Rinden oder Rottöne oder was auch immer. Und manchmal sehe ich sie mir einfach nur an, weil die Farben so schön sind ;o)

Read Full Post »

mit dem Original hat meine pflanzengefärbte Merinojacke nur noch die Art der Konstruktion gemeinsam: top- down gestrickt mit eingesetzten, rund gestrickten Ärmeln … also ohne Nähte in einem Stück gearbeitet …

IMG_1829_rs

Der maritim angehauchte Pullover Driftwood (freie englische Anleitung von Isabell Kramer via ravelry oder hier erhältlich) wurde zu einer Jacke in warmen Herbstfarben. Die Grundfarbe ist eine Walnussblätterfärbung, die farbigen Streifen sind u.a. mit Krapp, Indigo und Schilfblüten erzielt. Es sind sowohl Solar- als auch Überfärbungen dabei.

Und weil ich mich so an den Farben freuen kann, gibt es noch ein paar Bilder:

IMG_1820_rs

IMG_1816_rs

Falls es schon jemandem aufgefallen ist: die Ärmel haben (beabsichtigt) eine unterschiedliche Farbfolge.

Read Full Post »

Im letzten Jahr bin ich durch einen Tausch mit Anne an Samen von Amaranth gelangt, die ich im Frühjahr ausgesät habe. Die Pflanzen haben sich gut entwickelt und Samen angesetzt und abgegeben, so dass ich annehme, dass sie im nächsten Jahr von alleine wieder erscheinen.

IMG_1190_rs

Im Internet finden sich so gut wie keine Informationen zum Färben mit Amaranth und auch in meinen zahlreichen Färbebüchern wurde ich nicht fündig. Die Pflanze heißt zwar Hopi Red Dye Amaranth, aber so weit ich es verstanden habe, wurde damit keine Wolle gefärbt, sondern sie wurde von den Hopi zum Färben von Speisen für zeremonielle Zwecke verwendet (korrigiert mich, wenn es sich anders verhält).

In einem ersten Versuch hatte ich versucht, den Farbstoff durch Erhitzen zu extrahieren, jedoch nur einen blassen Gelbton erreicht.

Nachdem Anne ihren Versuch mit Essig unternommen hatte, habe ich auch ein wenig herum experimentiert – zunächst mit kleinen Mengen im Rotkohlglas:

eine Amaranthpflanze komplett mit Stiel, Blättern und Blüten kleingeschnitten, mit Wasser aufgefüllt, einen ordentlichen Schuss Essig dazu und dann einen Ministrang Sockenwolle mit superwash Ausrüstung hinein sowie etwas handgesponnene Deichschafwolle.

Nach 3 Tagen (draußen stehend bei bedecktem Himmel) sah das Glas ganz viel versprechend aus:

IMG_1199_rs

Der Inhalt überraschte mich dann doch ein bißchen:

IMG_1202_rs

links die Deichschafwolle, rechts die superwash- Sockenwolle; beides ohne Vorbeize.

Wieder einmal zeigte sich, dass sw-Wolle die Farbe erheblich besser aufnimmt als unbehandelte Wolle.

Fazit 1: für Amaranth- Färbungen superwash Wolle verwenden.

Dann war ich für ein paar Tage verreist und ließ das Glas draußen stehen. In der Zwischenzeit kam die Sonne heraus – und als ich nach Hause kam, war von der Farbe nichts mehr zu sehen:

IMG_1272_rs

Fazit 2: Hitze scheint den Farbstoff zu zerstören, deshalb mit Amaranth kalt färben.

Irgendwann stieß ich dann auf einen Blogeintrag, der besagte, je mehr Färbematerial vorhanden ist, je mehr Essig verwendet wird und je länger die Färbezeit ist, desto besser und haltbarer wird das Ergebnis. Leider finde ich die Quelle nicht wieder.

Für einen weiteren Versuch habe ich ein größeres 2,5 l – Glas benutzt und eine ganze Flasche Essig. Da hinein kamen dann noch einmal 2 Ministränge, ungebeizt und eine Färbung mit Rosenblüten auf Alaun- Vorbeize in einem blassen Gelbton. Das Glas habe ich 2 Wochen lang im Haus stehen lassen und diese Farben erhalten:

IMG_1470_rs

v.l.n.r. Überfärbung auf sw -Merino; Sockenwolle sw ungebeizt; Deichschaf, ungebeizt.

Der große Strang gefällt mir sehr gut, da durch die Kontaktfärbung eine unregelmäßige Färbung entstanden ist.

Die ganze Sache hat leider einen Haken: die Farbe hält dem Sonnenlicht nicht stand und verblasst. Deshalb kommt der Strang jetzt in einen Karton, damit ich mich noch ein bißchen länger daran freuen kann.

Read Full Post »

in diesem Sommer bin ich bei der Suche nach möglichst vielen Informationen zum Färben mit Indigo an verschiedenen Stellen auf die sogenannte „Saxon Vat“ – also die Sächsische Küpe – gestoßen. Dieser Begriff bezeichnet zwei gänzlich verschiedene Verfahren: bei der ersten Methode wird mit Hilfe von konzentrierter Schwefelsäure und Indigopulver eine Paste hergestellt – das war mir viel zuviel Chemie … mich interessierte mehr die andere, ursprüngliche Methode, die von J.N.Liles in The Art and Craft of Natural Dyeing: Traditional Recipes Modern Use beschrieben wird:

ein sehr schmutziges Woll- Vlies wird mit warmem Wasser übergossen und 24 Stunden stehen gelassen … anschließend wird das Vlies heraus genommen und Indigopulver in einem Mullsäckchen wird in das schmutzige Wasser eingehängt, die gespülte Wolle kommt hinein, das Gefäß wird abgedeckt und in die Sonne gestellt … das Ganze beginnt nach einigen Tagen zu fermentieren … die magische Verwandlung setzt ein.

Also eine Fermentationsküpe … noch dazu eine einfach herzustellende …

Ob das, was mit Indigopulver geht, auch mit frischen Blättern vom Japanischen Indigo funktioniert …???

Nun … Versuch macht klu(ch)g … zunächst einmal ein Versuch in kleinem Rahmen in einem 2l- Glas:

Schmutzige Wolle, warmes Wasser und frische Blätter … alles zusammen im Glas so lange stehen gelassen, bis die Blätter fermentiert waren. Es riecht … deshalb also: nichts für empfindliche Nasen ….

Ergebnis: ein schönes Türkis

Schlauer wäre es natürlich gewesen, entweder die Blätter oder die Wolle in ein Netz zu stecken … so musste ich halt die Pflanzenreste heraussammeln …

Im nächsten Schritt das Ganze noch einmal in abgeänderter Form:

  • zunächst Herstellen der Schmutzbrühe
  • Wolle herausnehmen
  • Zufügen der Blätter
  • Warmstellen
  • nach Abschluss der Fermentation absieben der Pflanzenreste
  • dann erst Hinzufügen der Fasern
  • Färben in mehreren Zügen mit zwischenzeitlichem Verblauen (wie auch sonst beim Färben mit Indigo oder Waid)

Die Ergebnisse (dieses Mal ohne Pflanzenreste):

die ungesponnene Wolle ist vom Deichschaf, der gesponnene Strang Coburger Fuchs, der helle Strang darüber eine Baumwoll-/Leinenmischung … und am oberen Rand 2 Seidenhankies.

Read Full Post »

nein, das ist NICHT der aktuelle Wetterbericht ;o) , sondern die Beschreibung, wie aus meinen solargefärbten Kammzügen vom Sommer 2010

ein Tuch/ Schal nach der Anleitung Rainbow Stairs von Alpenrose wurde:

zunächst einmal habe ich die Wolle (Blue Face Leicester) mit meinen Handkarden kardiert und versucht, durch Mischen möglichst sanfte Übergänge zu schaffen. Dass das nicht ganz gelungen war, zeigte sich später beim Verstricken.

danach habe ich die einzelnen Farbpartien halbiert, mit jeder Hälfte in gleicher Reihenfolge je ein Singlegarn gesponnen, die ich dann miteinander verzwirnt habe.

Dann verschwand das Regenbogengarn zunächst einmal in meinem Wollvorrat, weil mir irgendwie das passende Projekt dafür fehlte. Das änderte sich in dem Moment, als ich auf oben erwähnte Anleitung stieß.
Ich habe das Garn ausgewogen (ca. 110g) und etwa bis zur Hälfte der Menge die Zunahmen gestrickt, bis das Tuch wieder schmaler werden sollte. Bei dem Muster kann man allerdings von der Zunahmen- zur Abnahmenhälfte immer nur nach 36 Reihen wechseln, weil sonst die Rechnung nicht aufgeht … ich wollte natürlich so viel wie möglich aus der vorhandenen Menge herausholen und möglichst wenig übrig behalten. Im ersten Versuch ging meine Kalkulation nicht auf, es fehlen am Ende einige Zentimeter des Tuches. Mein Versuch, durch abwechselndes Einstricken eines andersfarbigen Garnes den Restfaden zu strecken, war nicht überzeugend … das Indigoblau stach zu sehr aus der Farbpalette heraus …

hinzu kam, dass mir der Übergang von grün zu gelb nicht gelungen war … an vielen Stellen waren die Übergänge ganz sanft und fließend, dieser Übergang war viel zu abrupt … ich hätte mich nur ständig geärgert, wenn ich das Tuch so gelassen hätte, also habe ich geribbelt … mehr als die Hälfte des Tuches …
Ich hatte keinerlei grüne oder gelbe Fasern mehr, die ich noch hätte vermischen können, nur noch einen kleinen Rest grün in einem Farbton ungefähr dazwischen, den ich schnell zu einem kleinen „Verlängerungsknäuel“ versponnen habe …

die Mischung der Farben erfolgte dann durch abwechselndes Verstricken der schon vorhandenen Farben und dem neuen Knäuel. Das ist natürlich nicht unsichtbar und bildet einen deutlichen Bruch … auf der einen Seite mehr …

als auf der anderen Seite

aber ich finde, gerade dieser Bruch macht das Tuch interessant.

Das Tuch ist (vor dem Waschen) 160cm lang und an der breitesten Stelle 28cm breit …
gestrickt mit Nadelstärke 4

und das ist der Rest vom Garn:

Read Full Post »

Older Posts »